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Zwischen Udo, Peter und 1,2 Promille: Bertram Engel reißt die Turbine ab

Es gibt diese Abende, da betrittst du den Club und spürst sofort: Das hier wird kein normales Event. Das wird ein Stück Musikgeschichte zum Anfassen. So ging es mir gestern in der Turbine in Gronau.

Der Laden? Restlos ausverkauft. Die Luft? Zum Schneiden dicht vor Vorfreude. Und mittendrin steht auf einmal das verdammte Original-Klavier von Udo Lindenberg auf der Bühne, das sie extra für diese Show aus dem Museum runter in die Turbine gewuchtet haben. Alles nur für einen Mann, der sonst hinter der Schießbude sitzt und seit fünf Jahrzehnten den Herzschlag für Legenden wie Udo oder Peter Maffay liefert: Bertram Engel.

Zeitreise zwischen nasser Farbe und legendären Teppichflecken

Bevor Bertram überhaupt ins Rampenlicht trat, gab es für ihn direkt einen kleinen Trip in die eigene Vergangenheit. In Gronau hat nämlich gerade die Sonderausstellung „Udo L. wohnt im Hotel – Exklusive Einblicke in meine Panikzentrale“ eröffnet.

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rocknpopmuseum bei Nacht mit neuen Werbebanner

Bertram schlenderte vor seinem Gig kurz durch die Räume und lieferte mir direkt die erste Story des Abends: Er bestätigte lachend, dass Udos legendäres Zimmer damals haargenau so aussah, inklusive der unzähligen Flecken im Teppich! Wobei er trocken anmerkte, dass ihm diese Flecken früher nie wirklich aufgefallen sind. Der Boden war nämlich permanent mit Udos noch nassen, ungerahmten Bildern übersät. Ein wunderbar schräges Bild im Kopf, mit dem dieser Abend perfekt startete.

1,2 Promille und der Mief der 70er Jahre

Als dann das Saallicht ausging und Bertram an genau diesem museumsreifen Lindenberg-Klavier Platz nahm, war es plötzlich mucksmäuschenstill im Club. Mit seiner Leseperformance „Mit alten Männern spiel’ ich nicht!“ servierte er keinen trockenen Wasserglasvortrag, sondern feinsten, ungeschönten Rock ’n’ Roll aus erster Hand. Er packte Storys auf den Tisch, bei denen du die verrückte Studioluft der 70er und 80er Jahre förmlich riechen konntest.

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Bertram Engel liest aus seinem Buch

Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass der absolut perfekte Aufnahmepegel bei The Who-Legende Keith Moon angeblich bei exakt „1,2 Promille“ lag? Da ich selbst komplett ohne Alkohol durchs Leben gehe, klingt das für mich zwar eher nach Intensivstation als nach einem Hit-Album, aber hey, so war das eben damals.

Dinosaurier mit Airbag und pure Pop-Magie

Zwischen diesen herrlich bizarren Anekdoten wie dem „Dinosaurier mit Airbag“ oder der grandiosen Geschichte über „1,68 mit Lederjacke“, bei der sofort ein wissendes Schmunzeln durch die Reihen ging, blitzte immer wieder pure Magie auf. Bertram sang, spielte Piano und reduzierte Pop-Hymnen, die er für die ganz Großen geschrieben hat, auf ihr emotionales Gerüst.

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Bertram Engel live im Musikclub Turbine

Wenn ein Song wie „Der Mensch auf den du wartest“ live in einem kleinen Club akustisch seziert wird, jagt dir das unweigerlich eine Gänsehaut über den Rücken. Es war faszinierend zu sehen, wie ein Track entsteht, sich verändert und schließlich zu der Hymne wird, die jeder mitsingen kann.

Fazit: Plötzlich Bock auf ein Buch

Ganz ehrlich? Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass ich über zwei Stunden lang fasziniert einem Typen zuhöre, der einfach nur aus seinem Leben vorliest, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht. Lesungen klingen ja oft nach räuspernden Autoren und lauwarmem Leitungswasser. Aber das hier? Das war reinstes Entertainment, überraschend witzig und total unverkrampft. Der ganze Saal hat sich mehr als prächtig amüsiert und ganz nebenbei wurden so viele absurde Storys rausgehauen, dass einem fast schwindelig wurde.

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Bertram Engel zeigt sein Buch „Mit alten Männern spiel’ ich nicht!“

Normalerweise stehe ich bei solchen Shows mit der Kamera im Anschlag vor der Bühne und jage den perfekten Schuss. Hier durfte ich einfach den Mann kennenlernen, der diesen ganzen Bühnenwahnsinn von ganz hinten auf dem Drum-Hocker mit einem staubtrockenen Lächeln seziert. Und das Verrückteste: Selbst ich als absoluter Lesemuffel habe jetzt richtig Bock, mir diesen Schinken reinzuziehen. Also, spar dir den nächsten Serien-Marathon auf der Couch. Schnapp dir „Mit alten Männern spiel’ ich nicht!“ und gönn dir ein Stück Musikgeschichte, das sich anfühlt wie ein verdammter Backstage-Pass. Danke für diesen wunderbaren Abend in der Turbine.

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