Gänsehaut bei der K+K Musiknacht: Von „The Voice“-Power bis zum totalen Abriss in der Bürgerhalle
Sagen wir es, wie es ist: Wer am Samstag nicht an der Bürgerhalle war, hat die Kontrolle über sein Leben verloren – und lag wahrscheinlich in Karl Lagerfelds geliebter Jogginghose auf der Couch, während draußen die Welt pulsierte. Diese K+K Musiknacht war genau das Gegenteil von Couch-Potato-Dasein. Es war laut, es war bunt und es war ein Erlebnis für die gesamte Familie.
Erst die Kids, dann der Kölner Wahnsinn
Der Nachmittag gehörte den Knirpsen, aber wer hier Blockflöten-Idylle erwartet hatte, war schief gewickelt. Während das rock’n’popmuseum Halsketten auffädelte und die Jugendfeuerwehr die Hüpfburg-Eskalation bewachte, zeigten Pelemele, wie man eine Meute Dreijähriger (und ihre Eltern) in eine Rock-Formation verwandelt.

„Pop ’n’ Roll“ ohne pädagogischen Zeigefinger, dafür mit ordentlich Wumms. Ein ganzer Platz voller hüpfender Minis – da wusste man schon: Das wird kein leiser Abend.
Blechschaden mit Ansage und ehrlicher Blues
Die Story des Abends lieferte das Het Stroat Ensemble. Die Jungs hingen wohl irgendwo im Stau fest – klassisches Schicksal auf dem Weg nach Gronau. Aber als der blaue Retro-Bus endlich um die Ecke bog, gab es kein Halten mehr. Das ist der Vibe der Musiknacht: Du kommst zu spät, springst aus dem Bus und bläst den Frust direkt mit einer Ladung Blech in den Himmel.

Draußen gab es währenddessen Musik für Leute, die keinen Firlefanz brauchen. Monotape servierten „Independent Soul“, der sich wie eine 70er-Jahre-Vinyl-Platte anfühlte, die gerade erst frisch gepresst wurde. Danach übernahm die Jimmy Reiter Band. Wer Jimmy schon mal an der Gitarre gesehen hat, weiß, warum der Mann zur europäischen Blues-Elite gehört. Das ist kein müdes Gezupfe, das ist Handwerk mit Seele.
Der absolute Geheimtipp: Susan Albers
Wenn man von einem Highlight sprechen muss, für das viele extra angereist sind, dann war es Susan Albers. Erinnerst du dich an 2023? 13. Staffel von „The Voice of Germany“? Susan war die Frau, die im Team von Ronan Keating alle weggeblasen hat und dann, für uns alle völlig unverständlich, in den „Teamfights“ unter den besten 36 ausschied. In Gronau hat sie bewiesen, dass sie keine TV-Jury braucht, um einen Platz zu verzaubern.

Ihre Unplugged-Session war dieser Moment, in dem die Welt kurz stehen bleibt. Eine Stimme, die dich mitten in der Brust trifft und erst wieder loslässt, wenn der letzte Ton verklungen ist. Ganz großes Kino.
Punk-Jazz und der Regenguss des Glücks
Dann der krasse Kontrast: Während Jenny and The Steady Go’s mit Petticoat-Power und Slap-Bass den Rock’n’Roll der 50er feierten, passierte drinnen der totale Abriss. Botticelli Baby spielen keinen Jazz, sie zelebrieren eine musikalische Schlägerei aus Punk, Balkan und Funk. Wild, unberechenbar und so laut, dass der Putz von der Decke rieselte.

Und dann kam er, der eine Moment, den man nicht planen kann: Betrayers of Babylon stehen auf der Rundbühne, feuern ihren Seeed-inspirierten Global Groove raus, und genau in der Hochphase macht der Himmel kurz die Schleusen auf. Ein sommerlicher Schauer klatscht auf den heißen Asphalt. Und was macht Gronau? Wir haben den Regen einfach weggelächelt und im Dampf der Straße weitergetanzt. Die Bläser haben noch mehr Gas gegeben, und für zwei Minuten war alles andere egal.
Der finale Kontrollverlust aus Hengelo
Den Sack zugemacht haben Jazzalike aus Hengelo. Die Jungs haben wirklich alles in den Mixer geworfen: Choreografien, die man gesehen haben muss, und ein Repertoire von Schlagerparty-Exzessen über 80er-Hymnen bis hin zu Rammstein.

Die Halle hat nicht nur gekocht, sie ist buchstäblich übergelaufen.
Fazit:
Danke an K+K und das Kulturbüro. Wer braucht schon teure Festival-Tickets, wenn man in Gronau einen ganzen Tag lang die Seele durchgepustet bekommt? Das war ein wunderbares Fest für die gesamte Familie.
Ein paar Bilder von der K&K Musiknacht




































BTW: Viele weitere Bilder findet ihr sicherlich in den kommenden Tagen & Wochen auf den Kanälen vom Jazzfest. Denn außer mir waren weitere bekannte Fotografen aus der Region vor Ort, wie zum Beispiel Nico Portrheine, Uwe Hielscher oder Michael von Jazzfaces.


