Bier-Yoga, Barrikaden-Bruch und die Kernschmelze: Der Samstag beim Rock im Venn 2026
Wer den epischen Freitagabend und das 30-jährige Bauern-Jubiläum auf dem Gelände überlebt hatte, stand am Samstagmorgen vor einer echten körperlichen Herausforderung. Offiziell startete nämlich erst jetzt das eigentliche Rock im Venn, auch wenn sich das nach dem fetten Abriss am Vortag längst wie Tag 2 des kollektiven Ausnahmezustands anfühlte. Die Lösung? Bier-Yoga ab 10:30 Uhr auf dem Camping-Ground. Von der stabilen Seitenlage ging es fließend über zur Heuschrecke, dem Krokodil und dem schießenden Krieger – und das stilecht mit dem rettenden Konterbier in der Hand, um den schlafenden Hund wieder zu wecken.

Nachdem die ersten müden Krieger auf den Matten langsam wieder Betriebstemperatur erreichten, rollte aus Gescher ein Planwagen mit gut 50 Gästen in Richtung Coesfeld. Und wer saß da als spontaner Überraschungsgast an Bord? Das Christian Steiffen Double vom Vorabend, das direkt mal lautstark den Hit „Sexualverkehr“ über die Felder schmetterte. Besser und absurder kann das Rock im Venn eigentlich nicht starten.
Tattoos, Tombola und spontane Fusionen
Pünktlich um 14 Uhr öffneten sich die Tore zum Hof Weitenberg. Es gab Lose für die Tombola, surrende Nadeln für spontane Tattoos oder Piercings und den perfekten Soundtrack zum Warm-up.

Um 14:30 Uhr eröffnete die Schülerband Counter den musikalischen Ring, bevor eine Stunde später Little Jack übernahmen. Eigentlich stand hier die Band Skartoffel auf dem Plan, die aber leider aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen musste, an dieser Stelle: Gute Besserung! Little Jack sprangen kurzerhand in die Bresche und fusionierten gegen 16:40 Uhr nahtlos mit den Shoulder Monkeyz. Eine extrem coole Aktion, die uns etwas Trost spendete.
Irischer Punk und geklaute Playlists
Gegen 18:00 Uhr griffen die Heimischen Vögel nach dem Zepter. Die Combo lieferte feinsten Punkrock, der immer wieder von einem ordentlichen Hauch Irish Folk durchzogen war. Bei Tracks wie „Fuck the system“ oder „Most adorable bitch“ stimmte der Vibe vor und auf der Bühne einfach perfekt, absolute Entdeckung und klare Weiterempfehlung!

Richtig ernst wurde es dann um 19 Uhr mit Mr. Wilson. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Jungs irgendwann mal heimlich meine Spotify-Partymix-Playlist gestohlen haben. Von „Open Your Eyes“ über „The Pretender“ und „Basket Case“ bis hin zu „Last Resort“ jagte ein verdammter Banger den nächsten. Die Crowd wurde ordentlich auf links gedreht, dass sich die ersten massiven Circle Pits des Tages bildeten.
Ein kollabierender Wellenbrecher und totale Eskalation
Kurz durchatmen hieß es um 21 Uhr bei der Tombolaziehung. Eine extrem wichtige Pause, „stay hydrated“ ist nach einem schweißtreibenden Moshpit-Cardio mit Mr. Wilson schließlich die oberste Regel.
Um viertel nach neun wurde dann endgültig der Abriss-Button gedrückt. Das Punkrock Project aus den Niederlanden lieferte knapp zwei Stunden lang die absolute Kernschmelze. Die Setlist las sich wie das Inhaltsverzeichnis der ultimativen Skate-Punk-Bibel: „Hash Pipe“, „American Idiot“, „Teenage Dirtbag“, „Fat Lip“, „Break Stuff“. Ein Hit mitten ins Gesicht jagte den nächsten. Im Pit wurde es schließlich so wild, dass die Absperrung zur Bühne dem Druck der feiernden Masse nicht mehr standhielt und kurzzeitig einstürzte. Wahnsinn, was für eine rohe Energie da durch den Hof Weitenberg peitschte.

Nach dem grandiosen Set der Niederländer war noch lange nicht Schluss; zu Musik vom Band wurde bis tief in die Nacht weitergefeiert. Wenn ich am Ende dieses Wochenendes ein kurzes Fazit ziehe, bleibt nur massiver Respekt für den Rock im Venn e.V. Die komplette Orga war schlichtweg 1A, vom digitalen Einlass über das fantastische Bühnenbild bis zur bombastischen Sound- und Lichttechnik. Ein riesiges Lob geht hier explizit an die Tech-Crew raus!
Auch die Gäste hatten den unendlichen Zapfhahn voll unter Kontrolle. Keine ausufernde, blinde Saufparty, sondern einfach ein grandioses, faires Miteinander auf und abseits des Camping-Grounds. Zusammen mit dem Bauern-Jubiläum am Freitag fühlte es sich wie ein unfassbar geiles, zweitägiges Festival-Wochenende an. Wenn es nach mir geht, darf diese Kombination aus Warm-up-Event und Rock im Venn ab jetzt gerne zum Standard werden. Wie seht ihr das? Schreibt es mir in die Kommentare!
Bilder vom Abend

































































