Samstag, 29. August, 15 Uhr. Der Schlosspark in Ahaus füllt sich. Leute mit Regenschirm in der Hand, Leute mit ihren Kids auf den Schultern, Leute, die einfach mal gucken, was hier abgeht. Das Wetter? Erstmal beste Laune. Die Sonne kämpft sich durch die Wolken, der Rasen ist trocken, und irgendjemand ruft irgendwo „Oh, wie geil, Du auch hier?!“. Drei Stunden später stehen um die 1000 Menschen im Regen, brüllen „Sledgehammer“ und grinsen, als ob sie den schönsten Sommer ihres Lebens erleben.
Aber von Anfang: Das Rockfield Festival ging in die vierte Runde und die 2026er Ausgabe wurde zu einer Reise durch die Musikgeschichte, ein Live-Erlebnis, das den Regen zur Nebensache machte, und ein Beweis dafür, dass Tribute-Bands viel mehr können als nur nachspielen.
Vormittags? Fehlanzeige. Nachmittags? Abriss auf den Fields.
Los ging´s um 15 Uhr, kein lahmer Warmlauf, sondern direkt Vollgas, zumindest beim Soundcheck auf der MainStage. Über den gesamten Schlosspark verteilt standen Pavillons die sich in kleine Bühnen verwandelten. Weil es keine genauen Zeitpläne gab, ließ man sich am besten einfach treiben. Klar, dadurch sind mir auf meinen Runden durch den Park leider ein paar der vielen Bands in den „Fields“ durch die Latten gegangen, aber das, was mir vor die Linse und die Ohren kam, hat null enttäuscht. Mein erster Halt war bei Father & Son. Die Jungs durfte ich schon im März 2025 zusammen mit Little Nork im Fürstensaal vom Schloss Ahaus live erleben – und auch hier draußen haben sie den Vibe direkt gepackt.

Ein absolutes Highlight war für mich Laura. Ich kannte sie vorher nur aus ein paar verwackelten Video-Ausschnitten von einer Open Stage, die Bekannte aus der Community rumgeschickt hatten. Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Ehrlich gesagt: Ich glaube, Laura könnte die Tagesschau singen und man würde trotzdem völlig entspannen. Ein Sound, der extrem lange nachklingt. Nach ein paar Songs hieß es für mich jedoch weiter zur nächsten Station, um die nächste Rotation zu feiern.
Denn überall im Park wurde gespielt: Sean wechselte zwischen den Instrumenten, als wäre es das Normalste der Welt. Pacho & Vasco lieferten mit Saxofon und Schlagzeug sperrigen, aber genialen Free Jazz, Pinky & Josef brachten den Blues auf den Punkt, und Lokalmatador Shag feuerte ehrlichen, handgemachten Rock in die Menge. Die Stimmung war wahnsinnig entspannt.
Gegenlicht und Gänsehaut: Wenn der Himmel aufmacht
Gegen 18:30 Uhr wurde es ernst. Die Mainstage. Und was da aufgebaut war, sprengte die Erwartungen.
Reggatta de Blanc und Mercy Street, zwei der bekanntesten Tribute-Bands Europas für Sting/The Police und Peter Gabriel, stehen gemeinsam auf der Bühne. 13 Musiker. Kein Vorband-Hauptact-Prinzip, sondern ein einziges großes Ensemble, das ein gemeinsames Ding durchzieht. Wer die Hintergründe kennt: 2016 tourten Sting und Peter Gabriel mit diesem Konzept durch Nordamerika, „Rock Paper Scissors“ hieß die Tour. Europa blieb außen vor. Zehn Jahre später holen diese beiden Bands das Ding nach Deutschland.
Dann passiert es. Der Himmel macht auf, also im übertragenen und im wörtlichen Sinne. Erst nieselt es, dann schüttet es wie aus Kübeln. Aber die 13 Musiker spielen weiter, als ob nichts wäre. Und durch den Sucher meiner Kamera bot sich ein surreales Bild: Das harte Gegenlicht der Scheinwerfer schnitt wie Klingen durch den strömenden Regen. Auf den Bühnenbrettern bildeten sich kleine Pfützen, in denen sich die Silhouetten der Musiker spiegelten – absolute Kinobilder.

Die Setlist ist ein einziger Ohrenschmaus: „Roxanne“, „Sledgehammer“, „Every Breath You Take“. Der Regen klatscht den Sängern ins Gesicht, sie grinsen, und wir unten denken: Wenn die nicht aufhören, hören wir auch nicht auf. Hunderte nasse Arme reißen in die Luft. In „Don’t Give Up“ singen alle mit, die Stimmen lauter, als der Regen es jemals sein könnte. Das war zudem ein stiller Gedenkmoment an Dolly Parton, auch wenn sie damals Peter Gabriels Duett-Anfrage für den Song ablehnte.
One Love und der Tod der Technik
Nach drei Stunden Rock und Pop-Spektakel übernahm Marley’s Ghost die Mainstage. Die führende deutsche Bob-Marley-Tribute-Band geht direkt nach dem Mega-Act auf die Bühne. Die Truppe vermittelt nicht nur die Songs, sondern die Message – Frieden, soziale Gerechtigkeit, Miteinander.
Der Regen lässt kurz nach, die Stimmung bleibt herrlich „feucht-fröhlich“. Der Sänger grinst, obwohl ihm das Wasser den Rücken runterläuft, und die Menge tanzt, als ob die Sonne brennt.
Doch nach einer halben Stunde feinstem Reggae kapitulierte mein Equipment. Die Feuchtigkeit war unaufhaltsam in meine Kameras gekrochen. Alle 30 Sekunden flackerte eine neue Fehlermeldung im Sucher auf: „Zubehör checken“, Error hier, Systemwarnung da. Ein absoluter Albtraum für Fotografen. Ich musste schweren Herzens den Stecker ziehen und abbrechen. Den elektronischen Ausklang am Teehäuschen mit DJ Hase und D Loudon musste ich den feiernden Rest-Besuchern überlassen.
Fazit: Echte Magie braucht kein gutes Wetter
Samstag, 29. August, kurz vor Mitternacht. Meine Schuhe sind durchweicht, mein Kamera-Rucksack ist nass, meine Stimme ist heiser. Das Rockfield Festival 2026 hat bewiesen: Echte Live-Magie entsteht nicht bei 25 Grad und Sonnenschein. Sie entsteht, wenn Ausnahmemusiker den Starkregen einfach wegspielen, die Lichter sich auf der nassen Bühne brechen und das Publikum jeden einzelnen Tropfen feiert. Danke an Gonda, Else, die Augenklinik Ahaus und an die vielen Helfer, die dieses wunderbare Festival erneut auf die Beine gestellt haben.





















































































