LAST CHANCE TO DANCE 2026: HEIRATSANTRAG, GLITZER-ABRISS UND EIN PINKER RETTER IN LETZTER SEKUNDE
Dülmen, 26. September. Die Sonne ballert ein letztes Mal alles raus, was der Spätsommer im Tank hat. Das Freizeitbad DÜB verwandelt sich in den ultimativen Jahresabschluss für alle, die 2026 noch einmal spüren wollen, wie Schweiß, Bass und kühles Bier schmecken. Das Last Chance To Dance (LCTD) ist längst kein charmanter Geheimtipp mehr, es ist ein massives Statement. Locals, Nachbarn, Ruhrpott-Pilger: Alle waren da, um die Open-Air-Saison endgültig und mit ordentlich Krach zu beerdigen.
Mehr Platz, weniger Stress: Die Crew hat geliefert
Die Crew hat dieses Jahr mächtig an den richtigen Schrauben gedreht. Die Bühnen kuschelten enger zusammen, heißt für die Beine: weniger rennen, mehr pogen. Umdrehen, 50 Meter gehen, nächstes Set. Die Fun-City und die Futtermeile durften dafür endlich aufatmen, clever abgeschirmt vom ganz großen Lärm. Während die Kids in der neuen Mini-Disco eskalierten oder den ebenfalls neuen Staffellauf rockten, rotierte nebenan der Moshpit. Punkrock und Picknickdecken? In Dülmen die normalste Symbiose der Welt. Alles andere blieb beim alten, also die Hüpfburg, die Schminkstation, Glücksrad usw.. bis auf:
Ein Antrag für die Ewigkeit Okay, wir müssen über Gefühle reden. Denn den trashig-genialen Traualtar für Spaßhochzeiten gab es dieses Jahr leider nicht. Der pinke Flamingo Pastor tauchte aber trotzdem auf, und zwar für den echten Real Deal. Nach dem Set von Soul Kite auf der Local Hero Stage ging ein Typ plötzlich auf die Knie. Ring raus, Frage gestellt, „Ja“ kassiert. Plötzlich heulten nicht nur die beiden, sondern gefühlt der halbe Platz.

Aus einem lauten Festival wurde der Schauplatz für den Rest eines Lebens. Wer da kein Wasser in den Augen hatte, stand wahrscheinlich gerade am Bierstand.
Crowdsurf-Kids und der Running-Order-Frust
Musikalisch traten RANDALE gewohnt routiniert das Gaspedal durch. Paul Panda, Crowdsurfing-Kids, lachende Eltern – die Bielefelder sind und bleiben eine absolute Bank.

Aber dann und hier muss ich kurz den ungemütlichen Musiknerd rauslassen, wurde die Running Order wild. SILENT REVENANTS um 14:30 Uhr auf die Main Stage zu packen, ist, als würde man ein verdammtes 5-Sterne-Menü zum Frühstück servieren. Die Melodic-Metal-Wucht hat diesen Sommer die Fabrik mit Schandmaul ausverkauft! Gleiches Spiel bei den Ska-Punkern von VERTIKAL und dem absoluten Nachwuchs-Highlight SOUL KITE. Wer die unfassbare Live-Energie von „Mosaik“ kennt, weiß: Das ist Prime-Time-Material, kein Aperitif. Die Leute, die wegen Samstagsschichten erst später kamen, haben zu Recht geflucht.

Ein Lichtblick in der Nachwuchs-Ecke folgte um 15:10 Uhr: LOCKET. Die junge Dülmener All-Female-Band, erst im November 2025 gegründet, hat auf der Local Hero Stage direkt mal gezeigt, wie man mit rotzigem Rock, politischen Texten und jeder Menge Spielfreude die Leute abholt. Jana (Bass), Maya (Drums), Charlotte (Gitarre) und Antonia (Vocals) haben extrem sympathisch bewiesen, dass rein weibliche Rock-Combos einfach viel öfter auf die Bühnen gehören. Da durfte direkt mitgetanzt werden!
Metalcore-Abriss, Notenständer-Fail und lokale Nostalgie
Wie man die Crowd am späten Nachmittag musikalisch komplett in die Zange nimmt, demonstrierten BREAKWATERS auf der Main Stage. Die Jungs aus Castrop-Rauxel brachten modernen, düsteren Metalcore nach Dülmen. Rohe, knüppelharte Breakdowns und trotzdem so viel atmosphärische Melodie, dass man kurz die Augen schließen wollte, bevor der nächste Moshpit zuschlug. Es wird völlig zu Recht gemunkelt, dass hier eine der stärksten aufstrebenden Metalcore-Bands ihrer Generation heranwächst. Ein kompromissloses Brett, das bleibenden Eindruck hinterlassen hat!

Der Notenständer-Fail und lokale Nostalgie
Für den unfreiwilligen Comedy-Gipfel des Tages sorgten PFUITOI!FEL. Ruhrpott-Punk in allen Ehren, aber wer seine eigenen Sauftexte ziemlich offensichtlich vom Notenständer abliest, killt einfach jegliche Anarchie. Das war keine rotzige Abrissbirne, das war eine Vorlesestunde. Da fehlte jeglicher Punch. OLD SPARKY versuchten im Anschluss extrem sympathisch, die Kohlen wieder aus dem Feuer zu holen, brauchten auf der Main Stage aber auch ein wenig, um die Masse wieder aus der Fun-City zu locken.
Den emotionalen Local-Boost brachten dafür DETTA WALKER. Die Münsteraner feuerten ihre rotzige Punk-Emo-Mischung ganz ohne dicke Tough-Guy-Attitüde ins Publikum und ließen bei vielen alte Erinnerungen an das längst abgerissene Dülmener JZ aufleben. Da wurde das Bier direkt ein bisschen nostalgischer.

Die pinke Glitzer-Eskalation rettet den Abend
Kurz nach acht. Die Luft war ein bisschen raus, der Tag lang, die Beine schwer. Und dann? Triggerwarnung. MANDELKOKAINSCHNAPS (MKS) stürmten die Bühne und drückten dem LCTD einen fetten, pinken Stempel auf. Was optisch als Glitzer-Einhorn-Fiebertraum startete, verwandelte sich in eine gigantische Wand aus Wut, Liebe und dreckigen Riffs. „Mein Körper, meine Regeln!“ – MKS machten das DÜB zum ultimativen Safe Space. Wenn bei Songs wie „Silberfuchs“ oder „Mama“ die laute Schale aufbricht, spürst du pure Gänsehaut. Und als mittendrin plötzlich der Strom weg war? Da hat die Crowd einfach „Eisgekühlter Bommerlunder“ a cappella weitergegrölt, bis der Saft wieder lief. Ikonisch.
Zombies, Shanties und ein würdiges Finale
Von Pink zu Pechschwarz: NECROKNIGHT lieferten danach auf der Local Hero Stage astreinen Epic Death Metal ab. „Morglin’s Fate“ klang wie der Soundtrack zum Untergang – düster, mächtig, grandios. Ihr Album The Skullthrone landet safe in meiner Gaming-Playlist, wenn im November in World of Warcraft endlich wieder das Kriegsbeil für Sylvanas und die Horde ausgegraben wird.
Den grandiosen, feucht-fröhlichen Rausschmeißer gaben schließlich MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN. Shanties, schunkeln, eskalieren, die perfekte Piraten-Sause für alle, die noch stehen konnten.

Fazit: Das Last Chance To Dance 2026 war ein bunter, wilder und hochemotionaler Ritt. Eine geniale Location, ein Antrag für die Ewigkeit und eine Festival-Haltung, die wir dringender brauchen denn je. Wenn die Crew im nächsten Jahr die absoluten Hochkaräter in der Running Order nicht mehr am helllichten Nachmittag verfeuert und den Spaß-Traualtar wieder aus dem Keller holt, wird’s perfekt.
Impressionen vom LCTD 2026












































































