Gibt es eigentlich noch diese Konzerte, bei denen du nach drei Takten vergisst, auf dein Handy zu schauen? Wo du reinkommst, ein Bier bestellst und plötzlich merkst, wie dein Fuß ein Eigenleben entwickelt? Gestern Abend konnte man dieses Feeling mal wieder in der Turbine erleben.
Ja, draußen pfiff der Wind, aber drinnen leuchtete sie wieder, die kultige Lampe aus den 70ern. Stammgäste wissen sofort Bescheid, wenn dieses Teil brennt, ist Clubkonzert-Zeit. Ein fast heiliges Signal. Und als Udo Klopke, Markus Bender und Stephan Sagurna die Bühne enterten, war sofort klar, warum wir alle hier sind.
Keine Newcomer, sondern Legenden-Material
Hand aufs Herz: Manchmal gehe ich zu Konzerten und hoffe einfach, dass die Band den Takt hält. Und dann gibt es Abende wie gestern. Da stehen Vollblutmusiker auf der Bühne, bei denen jeder Ton sitzt, als hätten sie ihn persönlich erfunden.

Udo Klopke ist genau so ein Kaliber. Der Mann hat nicht umsonst den Deutschen Rock & Pop Preis im Regal stehen (dreimal, um genau zu sein!). Aber er lässt das nicht raushängen. Er wirkt eher wie der Kumpel, mit dem du Pferde stehlen kannst, nur dass dieser Kumpel schon Background für Seal gesungen hat und auf dem „Traumschiff“ bis nach Singapur geschippert ist. Und dieses „Ich-hab-schon-alles-gesehen“ Selbstvertrauen hörst du in jeder Sekunde.
Der Groove, der direkt in die Beine fährt
Gleich als die ersten Takte von „The King is Dead“ durch die Turbine hallten, war klar: Hier wird nicht geübt, hier wird abgeliefert.
Besonders spannend war die Dynamik in der Rhythmusgruppe. Normalerweise sitzt Jan Wienstroer an den Drums, aber gestern hatten wir die Ehre mit Stephan Sagurna (ihr wisst schon, der Drummer der Sasha-Band). Und holy moly – wie gut haben er und Bassist Markus Bender bitte harmoniert? Bender, der sonst Funk-Legende Nils Landgren den tiefen Ton liefert, hat einen Groove-Teppich ausgerollt, den du so garantiert in keinem schwedischen Möbelhaus findest.

Spätestens bei „Soul“ gab es kein Halten mehr. Das war dieser Moment, wo das kollektive Nicken im Publikum einsetzte und du merkst: Okay, der Laden kocht.
Von Weltreisen und verpassten Chancen
Was ich an Udo Klopke schätze: Er rotzt die Songs nicht einfach runter, er nimmt dich mit in seinen Kopf. Zwischen den Stücken verriet er immer wieder, wie seine Ideen entstehen. Mein absolutes Highlight war die Geschichte zu „Norway“: Er erzählte von einem Freund, der fast jeden Winkel der Welt bereist hat – nur eben Norwegen nicht. Klopke stellte die charmante Frage in den Raum: „Was wäre, wenn das große Glück ausgerechnet dort gewartet hätte?“

Wenn er so erzählt, hast du das Gefühl, du sitzt mit ihm in einer gemütlichen Kneipe. Doch kaum greift er zur Gitarre und spielt Songs wie „A Winter’s Tale“, bekommen die Texte plötzlich eine Tiefe, die dich kurz mal ganz still werden lässt. Gänsehaut-Moment? Check.
Und dann kam die Gitarren-Eskalation
Gegen Ende wurde es nochmal richtig wild. „Analize Me“ hat gezeigt, dass die Jungs auch rockig und dreckig können. Aber der absolute Abriss war die Zugabe.
Als die ersten, ikonischen Riffs von „Sultans of Swing“ (Dire Straits Cover) erklangen, ging ein Raunen durch die Menge. Man muss schon Eier haben, um sich an Knopfler zu wagen, aber Klopke & Band haben das Ding nicht nur gespielt, sie haben es zelebriert. Der perfekte Rausschmeißer. Zeigt einfach mal wieder: Echte Mucke kickt anders als jede Playlist.
Fazit: Atmosphäre lässt sich nicht streamen
Ich geb’s zu: Ich hatte eigentlich keinen Plan, was mich an diesem Abend erwartet und hab auf dem Weg zur Turbine noch schnell das aktuelle Album angemacht um reinzukommen. „The King is dead“ ist schon nice, dieser Mix aus irischem Folk bei ‚A Winter’s Tale‘ oder die orientalischen Vibes bei ‚Yallah‘. Man hört sofort, dass Klopke die Welt gesehen hat. Aber live? Das ist eine komplett andere Liga. Da merkst du erst, was dir beim Streaming fehlt. Es sind die Ecken, Kanten und dieser direkte Draht zur Band, den du im Auto einfach nicht hast. Live drückt Udos Stimme nochmal ganz anders. Das war der beste Beweis, warum wir den Hintern von der Couch bewegen müssen: Dieser Schweiß, die Storys, die Energie – das kann dir einfach keine Spotify-Playlist geben. Danke für diesen tollen Abend!
Impressionen vom Abend





































